Da das Oktoberfest in München das größte Bierfest der Welt ist, wird auch jedes Jahr heftig über den Bierpreis und dessen historische Entwicklung diskutiert. Inzwischen gibt es auch schon wissenschaftliche Untersuchungen zum Bierpreis auf dem Oktoberfest, der sich gem. unserer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung nach Angebot und Nachfrage bestimmt. Und dennoch gibt es jedes Jahr neue Vorschläge und Ideen, wie man den stetigen Anstieg des Bierpreises auf der Wiesn stoppen könnte, mal mehr, mal weniger sinnvoll. Angesichts einer “gallopierenden Inflation” bei den Bierpreisen herrscht jedoch eine breite Übereinstimmung darüber, dass man einen weiteren Anstieg der Bierpreise mit allen möglichen Mitteln verhindern muss.
Das Angebot auf dem Oktoberfest stammt von den folgenden sechs Münchner Brauereien, die jeweils ein eigenes und geschmacklich individuelles Oktoberfestbier für die Wiesn brauen: Augustiner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Paulaner, Spaten und Staatliches Hofbräuhaus. Diesbezüglich gibt es sogar eine Regelung in den Betriebsvorschriften zum Münchner Oktoberfest, wo es heißt:
Bier darf nur mit vertraglicher Genehmigung (§ 3) und gewerblicher Gestattung (§ 4) auf dem Oktoberfest ausgeschenkt werden. Sofern eine Getränkeschankanlage verwendet wird, besteht ferner eine Anzeigepflicht nach § 8 Absatz 2 Getränkeschankanlagenverordnung (vgl. § 53 a). Das Oktoberfest ist das traditionelle Münchner Volksfest mit Münchner Gastlichkeit und Münchner Bier. An Wiesnbesucher darf deshalb nur Münchner Bier der leistungsfähigen und bewährten Münchner Traditionsbrauereien (das sind derzeit: Augustinerbrauerei, Hacker-Pschorr-Brauerei, Löwenbrauerei, Paulanerbrauerei, Spatenbrauerei und Staatliches Hofbräuhaus) ausgeschenkt werden, das dem Münchner Reinheitsgebot von 1487 und dem Deutschen Reinheitsgebot von 1906 entspricht.
Durch die Betriebsvorschriften der Stadt München zum Oktoberfest wird also nicht nur bestimmt, welche Anbieter zum Oktoberfest zugelassen werden, sondern es wird auch eine mengenmäßige Begrenzung auf 6 Brauereien vorgenommen. Angesichts der wirtschaftlichen Dimensionen des Oktoberfest stellen sich diesbezüglich einige Fragen, die auch schon von den Stadträten Dr. Florian Vogel und Lydia Dietrich von den Grünen an den Münchner Stadtrat gestellt wurden. Auf einen Nenner gebracht, wird die Münchner Brautradition auch von einer Vielzahl kleiner Münchner Brauereien beeinflusst, die durch diese Betriebsvorschriften zum Oktoberfest als Zulieferer und Betreiber eines Festzelts von vornherein ausgeschlossen sind.
Prinz Luitpold hat es mit der König Ludwig Schloßbrauerei viele Jahre erfolglos versucht, eine Genehmigung für das Münchner Oktoberfest zu erlangen; trotz der engen Verbundenheit zwischen dem Oktoberfest und dem Geschlecht der Wittelsbacher, deren Geschichte eng mit der Entwicklung der Braukunst in Bayern und der Entstehung der Wiesn in München verbunden ist. Mit Verweis auf die Betriebsvorschriften zum Oktoberfest verweigerte die Stadt München Prinz Luitpold und der König Ludwig Schlossbrauerei die Teilnahme an der Wiesn mit der Begründung, dass nur Münchner Brauereien zugelassen sind. Wenn man bedenkt, dass einige dieser Münchner Brauereien schon lange in ausländische und international agierende Konzerne eingegliedert sind, muten diese Betriebsvorschriften jedoch etwas befremdlich an. Es ist daher nicht falsch, beim Oktoberfest von einer Sonderwirtschaftszone zu sprechen.
Auf der anderen Seite herrscht auf der Theresienwiese eine extrem hohe Nachfrage nach Oktoberfestbier und einem Sitzplatz in den Festzelten, die durch das bestehende Angebot bei weitem nicht gedeckt werden kann. Die Zahl der Besucher auf der Wiesn pendelt bei rund 6 Millionen jedes Jahr mit stetig wachsendem Anteil der Besucher aus dem Ausland, die jedes Jahr für einen Ausverkauf der Hotelbetten und Campingplätze in und rund um München sorgen. Besonders brisant ist die Lage am 2. Wochenende, wenn auf der Wiesn traditionsgemäß italienisch gesprochen wird.
Aus diesem Zusammenspiel aus begrenztem Angebot und immenser Nachfrage ergibt sich ein Bierpreis auf dem Oktoberfest, der manchem Wiesnbesucher den Schweiß auf die Stirn treibt.
- Bierpreis 2009: 8,10 bis 8,60 Euro
- Bierpreis 2010: 8,30 bis 8,90 Euro
- Bierpreis 2011: 8,70 bis 9,20 Euro
Während die Maß Bier im Jahre 1950 noch 1,45 bis 1,60 DM kostete, kratzt der aktuelle Bierpreis bereits an den 9,50 Euro.


