Das Oktoberfest in München blickt inzwischen auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurück, die von einigen Persönlichkeiten aus Politik, Militär und Wirtschaft, aber auch von berühmten Wirten und Schaustellern maßgeblich beeinflusst wurde. Nachfolgend gibt es ein Überblick über das “Who is who” in der Geschichte der Wiesn von 1810 bis heute mit solchen bekannten und berühmten Namen wie Franz Xaver Krenkl, Steyrer Hans, Thomas Wimmer und Christian Ude.
Andreas van Dall`Armi | Carl Gabriel |Franz Xaver Krenkl | Wilhelmine Reichhardt | Michael August Schichtl | Steyrer Hans
Andreas van Dall`Armi
Andreas Michael Dall’Armi, geboren am 11. November 1765 in Trient, war Münchner Bankier und Major der Kavallerie bei der königlich bayerischen Nationalgarde, als er 1810 anlässlich der Feiern zur Hochzeit des Kronprinzen Ludwig mit Therese von Sachsen-Hildburghausen ein Pferderennen auf der Theresienwiese organisierte und damit als Begründer des Münchner Oktoberfests gilt, wofür Dall`Armi 1824 die erste goldene Bürgermedaille der Stadt München erhielt. Andreas Dall`Armi verstarb am 27. April 1842 in München.
Carl Gabriel
Carl Gabriel, geboren am 24. September 1857 in Bernstein in Schlesien, war einer der berühmtesten deutschen Schausteller und Gründer der ersten Kinos in München und Berlin. Der Name Carl Gabriel steht in Verbindung mit vielen Fahrgeschäften und Attraktionen, die sich bis heute auf dem Oktoberfest gehalten haben, darunter auch das Hippodrom, das er erstmals auf der Wiesn einführte. Das Konzept des damaligen Hippodroms war ebenso einfach wie neuartig: Im Inneren des Festzelts gab es eine 60 Meter lange Pferdereitbahn, in dem die Besucher gegen Entgelt und zur Belustigung der anderen Gäste reiten konnten. Zu trinken gab es Thomasbräu Exportbier, Wein, Likör und Kaffee. Weitere Gabriel- Attraktionen sind die Hexenschaukel, das Teufelsrad oder die Steilwand, die alle auf seinen Ideen oder seinem Tatendrang beruhen. Außerhalb der Wiesn war Carl Gabriel ebenso aktiv und eröffnete mit Emil Eduard Hammer in München das Wachsfigurenkabinett und das Internationale Handelspanoptikum. Auf der Wiesn waren zunehmend Exotenshows gefragt, die Carl Gabriel 1901 mit dem „Beduinenlager“, 1909 mit dem „Sudanesendorf“, 1910 mit „Samoa in München“ und 1928 mit der „Riesen-Völkerschau“ befriedigte, wobei er teilweise bis zu 200 Personen aus Afrika, China und Japan nach München brachte. Da es damals noch kein Kino oder Fernsehen gab, waren diese Shows auf dem Oktoberfest sehr gefragt. Insgesamt hat keiner die Entwicklung des Oktoberfests so geprägt wie Carl Gabriel. Erst als sich die Kinos und Filme in den 1950er und 1960er Jahren immer mehr in Deutschland verbreiteten, nahm das Interesse der Menschen an den Völkerschauen auf dem Oktoberfest zunehmend ab. Nur ganz wenige Schaustellungen von damals haben überlebt, allen voran die Revue der Illusionen und der Schichtl. Die Münchner kennen aber sicher noch die Sendlinger Tor Lichtspiele, die 1913 von Carl Gabriel gegründet wurden und bis heute dort Filme zeigen. Carl Gabriel starb 1931 in München und wurde auf dem Ostfriedhof beerdigt.
Franz Xaver Krenkl
Franz Xaver Krenkl, geboren am 15. November 1780 in Landshut, war ein deutscher Rennstallbesitzer und Pferdehändler. Nach seiner Ausbildung zum Bäcker und einer kurzen Episode bei der Bayerischen Kavallerei bestimmten Pferde den weiteren Lebensweg von Franz Xaver Krankl. Im Jahre 1806 tauchte Krenkl erstmals in München auf und schickte eines seiner Pferde zum ersten Pferderennen auf der Theresienwiese im Jahre 1810. Während sein Pferd beim ersten Pferderennen “nur” den 3. Platz belegte, gewann er nur ein Jahr später den Wettbewerb und fortan florierte sein Handel mit Pferden und seine Lohnkutscherei in München. Seine Kutschen fuhren bis nach Triest in Italien. Berühmt wurde Franz Xaver Krenkl jedoch für ein Überholmanöver im Englischen Garten von München, bei dem er mit seinem Sechsspänner an der Equipage des Königs vorbeizog, was absolut verboten war. König Ludwig I. war außer sich vor Zorn wegen dieser Schmach und schimpfte auf Krenkl ein, der ihm nur mit folgenden Worten antwortete:
“Majestät, wer ko, der ko.”
Franz Xaver Krenkl verstarb am 23. April 1860 in Stuttgart. Die Münchner SPD verleiht seit 1990 einen nach ihm benannten Krenkl-Preis für Zivilcourage und bürgerschaftliches Engagement.
Wilhelmine Reichhard
Wilhelmine Reichard, geb. am 02. April 1788 in Braunschweig als Wilhelmine Schmidt und bekannt als Minna – war die erste Ballonfahrerin Deutschlands. Im Jahre 1806 heiratete Wilhelmine Schmidt den Aeronauten Johann Gottfried Reichard, seinerseits Professor für Physik in Braunschweig, und nahm fortan den Namen Wilhelmine Reichhard an. Beide waren begeisterte Ballonfahrer und lebten für ihre Leidenschaft des Ballonfahrens und der Luftschifffahrt. Am 16. April 1811 unternahmen beide ihre erste Alleinfahrt in einem Ballon mit Start im Garten der Berliner Königlichen Tierarzneischule und Landung im rund 30 km entfernten Genshagen. Am 30. September 1811 folgte die dritte Ballonfahrt von Dresden aus, bei der sie eine Höhe von 7000 m Höhe erreichten. Ihre letzte Fahrt mit dem Ballon fand zum 10. Oktoberfest in München im Jahre 1820 statt, zu der die Deutsche Post 1978 eine Sonderbriefmarke herausgab.
Michael August Schichtl
Michael August Schichtl, geboren am 22. Oktober 1851 in München, war durch und durch ein bayerischer Schausteller, der das Oktoberfest mit einer täglichen Hinrichtung durch die französische Guillotine beglückte. Michael August Schichtl entstammte einer alten Artistenfamilie und war der jüngste Sohn von Ignatz und Barbara Schichtl. Zusammen mit seinen Brüdern eröffnete er 1869 das “Zaubertheater” und wurde damit zu einem legendären Theaterdirektor, Ausrufer, Magier und Trommelvirtuose auf dem Münchner Oktoberfest. In Erinnerung blieb der Schichtl jedoch mit seiner täglichen Hinrichtung einer lebendigen Person durch eine original französische Guillotine. Der abgetrennte und mit einer schwarzen Mütze verhüllte Kopf wurde dem Publikum samt Gurgel und Halswirbel präsentiert und dem Opfer später wieder aufgesetzt. Mit seinem Programm zogen die Schichtls durch die Volksfeste Bayerns und Mitteldeutschlands. Michael August Schichtl wurde unter großer Anteilnahme am 18. Februar 1911 auf dem Münchener Waldfriedhof beerdigt. Seine Witwe verkaufte das Theater nach dem Oktoberfest 1911 an ihren Ziehsohn und ehemaligen Mitarbeiter Johann Eichelsdörfer. Im Jahre 1985 übernahm Manfred Schauer das Geschäfte, der seitdem alljährlich ca. 400 Vorstellungen als „Schichtl“ aufführt.
Steyrer Hans
Der Steyrer Hans, geboren 1849 in Allach, war ein typisch bayerischer Metzger und Gastwirt wie er Buche steht. Bekannt wurde er jedoch als „der bayerische Herkules“ mit unbandiger Kraft, die er schon als Metzgerlehrling hatte. Als der Zirkus Herzug im Jahre 1879 den stärksten Bayern suchte, bewarb sich der Steyrer Hans für den Wettbewerb und schlug seine Kontrahenten in allen Wettbewerben, wofür er den Namen “Bayerischer Herkules” bekam. Als solcher wollte er 1879 mit einem festlich geschmückten Festzug- begleitet von mehreren Zweispännern – von der Wirtschaft in der Tegernseer Landstraße durch ganz München zur Theresienwiese fahren. Damals kam er jedoch nur bis zum Stadtzentrum, wo ihn die Polizei stoppte und zur Rückkehr zwang. Das hinderte den Steyrer Hans jedoch, auch in den folgenden Jahren einen Festzug zum Oktoberfest zu organisieren. Ganz nach diesem Vorbild des Steyrer Hans entwickelte sich der berühmte Einzug der Festwirte und Brauereien auf die Wiesn.



